,,Heute ist ein toller Tag", findet Leo Lausbub.
Er rennt zum Schrank, holt seinen kleinen
Rollkoffer heraus und fängt an zu packen.
In wenigen Stunden beginnt ein sagenhaftes
Abenteuer: Leo darf mit Papa zum
Vater-Kind-Zelten auf die große Wiese vor
seinem Kindergarten. Alle seine Freunde werden
da sein. Johanna, Lisa, Leonie, Nicki, Jule,
Mattis und viele mehr. Auch ein Lagerfeuer wird
es geben. Darauf freut Leo sich besonders.
Nach dem Mittagessen heißt es Aufbruch. Leo und Papa haben sehr viel Gepäck:
Ein Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, Kohle für den Grill, Essen und Getränke.
Zum Glück hat Papa einen Bollerwagen ausgeliehen. Aber halt, eine Sache fehlt
ja noch: Leos Lieblingsspielzeug. Jedes Kind darf heute ein Spielzeug zum
Zeltabenteuer mitbringen. Leo entscheidet sich für seinen selbst gebastelten Stern.
Schnell noch von Mama verabschieden und los geht es.


Am Kindergarten angekommen, beginnen die Papas mit dem Aufbau der Zelte.
Aber wo hat sich die Sonne versteckt? Am Himmel ziehen ganz dunkle Wolken auf.
,,Macht nichts", findet Leo Lausbub, und rennt schnell zu seinen Freunden. ,,Hallo",
sagt Leo zu Jule und Mattis. ,,Was habt ihr für ein Spielzeug dabei?" Mattis hat einen
nagelneuen Fußball unterm Arm, den er am liebsten nicht mehr loslassen will.
Und Jule? Was hat Jule denn da in ihrer Hand? ,,Darf ich das mal sehen", fragt Leo.
,,Klar", erwidert Jule, ,,aber sei vorsichtig. Das habe ich ganz neu bekommen, und
ich brauche es in der Nacht. Sonst kann ich nicht schlafen!"
Leo ist begeistert. So etwas hat er zuvor noch nie gesehen. Jules Spielzeug sieht aus
wie ein kleiner Computer. Er ist rosa und glitzert. Drückt man auf die kleine Taste ganz
unten rechts, schwimmen bunte Fische durch eine farbenfrohe Unterwasserwelt.
Und da ist sogar noch ein Knopf. Leo drückt und plötzlich leuchtet der ganze Apparat
in einem sagenhaften Blau; Musik ist nun auch zu hören. Leo staunt. Doch als Mattis
zum Fußballspiel ,Papas gegen Kinder` aufruft, gibt Leo den kleinen Wundercomputer
wieder zurück und rennt zur Wiese.


So richtig kann Leo sich aber nicht auf das Spiel konzentrieren. Ständig muss er an
Jules Lieblingsspielzeug, den kleinen Computer denken. Er ist richtig abgelenkt.
Als Leo schließlich zum zweiten Mal den Ball gegen den Kopf bekommt, hat er keine
Lust weiter zu spielen. Er geht zu Jule, die gerade mit ihrem Computer im Zelt sitzt.
"Darf ich auch nochmal damit spielen?", fragt Leo. ,,Nein, jetzt nicht", antwortet Jule.
Das gefällt Leo ganz und gar nicht. ,,Aber wir können doch mal tauschen.
Du nimmst meinen Stern, und ich nehme deinen Computer." Jule möchte aber nicht
tauschen, also geht sie zu ihrem Vater. Der erklärt Leo dann, dass Jule das Spiel
ganz neu von ihrer Tante bekommen hat. ,,Jule gibt es dir später sicher noch einmal",
sagt Jules Papa. Aber das will Jule auch nicht, geht zum Zelt zurück und versteckt
das begehrte Spiel unter ihrem Schlafsack.
Leo Lausbub ist den Tränen nahe und irgendwie auch ein bisschen sauer. So gerne
hätte er nochmal die Zauberknöpfe gedrückt. Jetzt mag Leo mit Niemandem mehr
spielen. Während er traurig und enttäuscht auf der Bank sitzt, spürt er plötzlich
einen dicken Regentropfen auf der Nase. Und noch einen. Es werden immer mehr.
Plötzlich regnet es wie aus Eimern. Schnell packen alle ihre sieben Sachen
zusammen. Jules Papa kümmert sich um den Grill, Mattis' Papa fängt an, das erste
Zelt abzubauen. Die anderen holen die Autos, während alle Kinder ­ außer Leo ­ unter
dem großen Dach des Kindergartens im Trockenen warten.


Aber wo steckt Leo Lausbub nur? Er läuft zu den Zelten auf der Wiese und sein
Gesicht verrät, dass er einen ganz anderen Plan hat, als aufzuräumen oder mit den
anderen Kindern zu warten. Als Jule ihr Lieblingsspiel vorhin ins Zelt gelegt hat, hat
Leo sie nämlich beobachtet. Nun schleicht Leo sich in Jules Zelt, guckt unter den
Schlafsack, sieht den Minicomputer und steckt ihn heimlich in seine Hosentasche.
Gesehen hat ihn niemand und so rennt Leo Lausbub gut gelaunt zu seinen Freunden.
Als Leo und Papa zu Hause ankommen müssen sie erstmal trockene Kleidung anzie-
hen. Dabei entdeckt Leo Jules Spiel in seiner Hosentasche und freut sich. Schnell
rennt er zu Mama. "Guck mal! Jule hat mir ihr Lieblingsspielzeug ausgeliehen. Aber
morgen muss ich es wieder zurückbringen. Sonst sucht Jule ihr Spiel den ganzen
Tag", berichtet Leo strahlend. Mama sieht Leo fragend in die Augen: "Aber wieso
sollte Jule es suchen? Sie hat es dir doch geliehen." Leo guckt verschämt zu Boden:
"Nicht so richtig, Mama. Jule weiß nicht, dass ich es ausgeliehen habe." "Ach Leo",
sagt Mama, "dann hast du es einfach mitgenommen? Aber das geht doch nicht. Jule
ist sicher traurig und denkt, dass sie ihr Spiel verloren hat."


Jetzt hat Leo ein ganz komisches Gefühl im Hals. Er erinnert sich, dass Jule sagte,
dass sie ohne ihr Spielzeug in der Nacht nicht schlafen kann. Und dann fällt ihm
ein, dass er auch sehr traurig wäre, wenn jemand sein Kuschelkrokodil einfach
mitnehmen würde. Jetzt muss Leo weinen. Und er muss noch mehr weinen,
als Mama sagt: ,,Leo, das müssen wir Jule jetzt zurückbringen." Das will Leo nicht,
weil er sich schämt. Außerdem hat er auch ein bisschen Angst, dass die Polizei
kommt und ihn ins Gefängnis sperrt. Schließlich ist er ja ein Dieb. Mama nimmt ihn
in den Arm. ,,Die Polizei wird sicher nicht kommen, mein Schatz. Aber wir müssen
es Jule zurückgeben. Du hättest sie fragen müssen, ob du es ausleihen darfst.
Einfach mitnehmen, das darf man nicht."
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